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Wer ernährt die Welt? Viele denken an endlose Weizenfelder, große Maschinen und internationale Agrarkonzerne. Ein großer Teil der Antwort liegt aber auf Feldern, die kleiner sind als drei Fußballplätze.

Die Menschen, die diese Felder bewirtschaften, kommen in Debatten über Klima und Ernährung kaum vor. Das neue Buch „Whole Earth Farming“ von Hugh Locke rückt sie in den Mittelpunkt. Es stellt eine Frage, die auch unsere Arbeit bei Planting Hope prägt: Was wäre, wenn wir Kleinbauernfamilien nicht als Empfänger von Hilfe sehen, sondern als jene, die den Wandel anführen?

Ein Viertel der Menschheit, kaum beachtet

Weltweit gibt es mehr als 570 Millionen landwirtschaftliche Betriebe. Über 475 Millionen davon sind kleiner als zwei Hektar [1]. Zählt man die Familien hinter diesen Höfen mit, kommt Locke auf rund ein Viertel der Menschheit [3].

Diese kleinen Höfe erzeugen laut einer Studie aus dem Jahr 2018 etwa 30 bis 34 Prozent des weltweiten Nahrungsangebots [2]. Dafür bewirtschaften sie nur einen kleinen Teil der Agrarflächen [1].

Häufig liest man, Kleinbauern würden 70 bis 80 Prozent der weltweiten Nahrung erzeugen. Diese Zahl hält einer genauen Prüfung nicht stand [2]. Wir nennen bewusst den niedrigeren, belegten Wert, denn er ist eindrucksvoll genug.

Dieselbe Studie zeigt, was kleine Höfe auszeichnet [2]:

  • 🌱 Sie bauen eine größere Vielfalt an Kulturpflanzen an.

  • 🍲 Ein größerer Teil ihrer Ernte wird direkt zu Nahrung, statt als Futtermittel oder in der Verarbeitung zu landen.

  • 🥭 Sie sind wichtige Lieferanten von Obst, Hülsenfrüchten, Wurzeln und Knollen.

Was Hugh Locke in „Whole Earth Farming“ vorschlägt

Hugh Locke verbindet seit Jahrzehnten internationale Entwicklungsarbeit mit der Arbeit auf dem Feld. 2010 gründete er in Haiti die Smallholder Farmers Alliance mit [3]. Dort pflanzen Kleinbauernfamilien Bäume und erhalten dafür Gutschriften, die sie gegen Saatgut, Werkzeug und Schulungen eintauschen können [4].

Sein Mentor war der Förster Richard St. Barbe Baker, ein früher Vorkämpfer für den Schutz der Wälder weltweit [3]. Bäume ziehen sich deshalb wie ein roter Faden durch Lockes Arbeit.

Sein neues Buch ist im September 2026 auf Englisch erschienen. Darin verbindet Locke überliefertes Wissen indigener Gemeinschaften mit aktueller ökologischer Forschung und Werten für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Erde [3]. Seine Kernthese ist bewusst kühn formuliert.

Würde nur die Hälfte der Kleinbauernfamilien auf regenerative Landwirtschaft umsteigen, könnten sie laut Locke auf rund zwölf Prozent der weltweiten Ackerfläche die zusätzliche Nahrung erzeugen, die die Welt bis 2050 braucht. Gleichzeitig würden sie dem Klimawandel entgegenwirken [3].

Regenerativ bedeutet, dass Böden aufgebaut statt ausgelaugt werden, etwa durch Kompost, vielfältige Kulturen und Bäume auf dem Feld. Ob Lockes Rechnung aufgeht, kann heute niemand mit Sicherheit sagen. Die Richtung überzeugt uns aber, weil sie bei den Menschen ansetzt, die ihr Land am besten kennen.

Das Buch erzählt außerdem 21 Geschichten aus 18 Ländern, von Kanada über Indien bis Ruanda [3]. Eine davon führt nach Kolumbien, zu unserer Partnerorganisation FUNDAEC.

Wie das konkret aussieht: unsere Partner in Kolumbien und Sambia

Was Locke im globalen Maßstab beschreibt, erleben wir im Kleinen bei unseren Partnern. Zwei Beispiele aus dem Tätigkeitsbericht 2025 der TwoWings Stiftung zeigen das.

Kolumbien: Baumschulen statt Monokultur

In der Region Nord-Cauca bauten Familienbetriebe früher eine große Vielfalt an Früchten, Heilpflanzen, Holzarten und Gemüse an. In den letzten Jahrzehnten hat die Zuckerrohr-Monokultur die Böden ausgelaugt und traditionelles Wissen verdrängt.

In einer der Baumschulen unseres Partners FUNDAEC in Kolumbien: Gemeinsam wird geprüft, wie sich die jungen Pflanzen entwickeln.
In einer der Baumschulen unseres Partners FUNDAEC in Kolumbien: Gemeinsam wird geprüft, wie sich die jungen Pflanzen entwickeln.

Gemeinsam mit lokalen Familien baut FUNDAEC dort ein Netz kleiner Baumschulen und Kompostanlagen auf. Inzwischen sind es sieben Produktionseinheiten. Das Netz soll heimische Obstbäume, die in der Region selten geworden sind, wieder leichter verfügbar machen.

Jede Einheit führt eigene Aufzeichnungen über Investitionen, Verkäufe und Gewinne, mehrere verkaufen ihre Pflanzen bereits. Aus Teilnehmenden werden so Unternehmerinnen und Unternehmer.

Sambia: Obstgärten in Familienhand

Unsere Partnerorganisation, die Inshindo Foundation, hat 2025 im Rahmen ihres Baumpflanzprojekts 4.070 Bäume gepflanzt. In drei Projektjahren sind 59 Obstgärten entstanden, 51 davon in Familienhand. Auf den Feldern wachsen zusätzlich Bäume, die den Boden verbessern, vor allem der stickstoffbindende Msangu-Baum.

Eine Bäuerin in Sambia pflanzt einen jungen Baum neben ihrem Haus. Bäume, um die sich Familien selbst kümmern, gedeihen besonders gut.
Eine Bäuerin in Sambia pflanzt einen jungen Baum neben ihrem Haus. Bäume, um die sich Familien selbst kümmern, gedeihen besonders gut.

Eine Erkenntnis des Teams passt besonders gut zu Lockes Gedanken: Obstgärten, die Familien selbst betreuen, entwickeln sich deutlich besser als gemeinschaftlich betreute. Das Projekt setzt deshalb künftig stärker auf sie.

Nicht jede Saison verläuft reibungslos, Wasser bleibt die größte Herausforderung. Regenerative Landwirtschaft ist kein Selbstläufer. Sie braucht Zeit, Wissen und verlässliche Begleitung.

Alles in allem: Hoffnung, die Wurzeln schlägt

Kleinbauernfamilien ernähren schon heute einen großen Teil der Welt. Hugh Lockes Buch zeigt, wie viel Potenzial noch in ihnen steckt, wenn sie Zugang zu Wissen, Pflanzen und Märkten bekommen. Unsere Partner in Kolumbien und Sambia zeigen, wie dieser Weg im Alltag aussieht: Schritt für Schritt, mit Rückschlägen, aber getragen von den Menschen vor Ort.

Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, lesen Sie unseren Beitrag über die Grundprinzipien der Agroforstwirtschaft oder „Ein Feld, drei Ernten“, in dem wir eine ganze Saison mit Inshindo in Sambia begleiten. Das Buch „Whole Earth Farming“ ist im Verlag George Ronald erschienen und derzeit nur auf Englisch erhältlich.

Möchten Sie die Arbeit von FUNDAEC und der Inshindo Foundation unterstützen? Alle Informationen zu Ihrer Spende finden Sie hier.

Quellen
[1] Lowder, S. K., Skoet, J., Raney, T. (2016): The Number, Size, and Distribution of Farms, Smallholder Farms, and Family Farms Worldwide. World Development 87, S. 16-29.
https://doi.org/10.1016/j.worlddev.2015.10.041
[2] Ricciardi, V. et al. (2018): How much of the world's food do smallholders produce? Global Food Security 17, S. 64-72.
https://doi.org/10.1016/j.gfs.2018.05.002
[3] Locke, H. (2026): Whole Earth Farming. Smallholders and the Great Regenerative Transformation. George Ronald.
[4] Purchase College: Profil Hugh Locke.
https://www.purchase.edu/live/profiles/2906-hugh-locke

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